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Bangkok, September 2007
Bangkok, September 2007
Tag 1
Ich steige über die Verbindungsgangway in den
Terminal, schon kommt mir ein Schwall
feucht-heißer Luft entgegen um im gleichen
Augenblick in Frost umzuschlagen. Das ist
Bangkok! Zu heißes Tropenklima und eine zu
kalte Klimaanlage. Der neue Airport ist
riesig. Ich brauche geschätzte 3 Km bis zur
Immigration. Der alte Flughafen hatte mehr
Charme. Na gut, nach `ner ¾ Stunde anstehen
bin ich in ca. 30 Sekunden durch. Mein
Gesicht passt zu meinem Reisepass. Gott sei
Dank! Auf dem Laufband bei der Gepäckausgabe
dreht sich mein Tasche bestimmt schon seit
einer Stunde im Kreis.
Nachdem ich meine Tasche habe, wechsle ich
bei einem Bankschalter 500,00 Euro in
thailändische Währung. Die Bankangestellte
drückt mir über 23.000,00 Bath in die Hand
und ich habe riesige Probleme die ganzen
Scheine ins Portmonai zu bekommen. Ich suche
mir den Weg zu den Public-Taxis und vor der
Tür erschlagen mich gefühlte 40°.
Innerhalb einer Minute kommt mir aus allen
Poren der Schweiß. Kurz vor dem Taxistand
werde ich von 3 Privatfahrern angesprochen,
die mich alle nach Pattaya fahren wollen.
Sorry, Jungs! Bin hier nicht zum Spaß.
Sondern um meine Ausbildung in der
traditionellen thailändischen Massage zu
machen. Das können die dann gar nicht
verstehen und ziehen ab.
Endlich in „meinem“ Public-Taxi, fängt der
Fahrer gleich an über Thaiboxen zu sprechen.
Da ist er ja bei mir genau richtig. Er
erzählt mir was über die thailändischen
Boxlegenden, die größten Kämpfe... usw. Und
dann fragt er mich nach meiner „Profession“.
Auf die Frage habe ich gewartet. Ich sage ihm
nur kurz und knapp, dass ich eine Muay
Thai/Krabi Krabong Schule habe. Er sieht mich
an als wäre ich gerade von den Toten
auferstanden und spricht daraufhin kein Wort
mehr. Hat ihn wohl zu sehr geschockt, dass
ein Farang (Ausländer) nicht nur Muay Thai
betreibt, sondern auch noch eine Schule dafür
hat. Mai bpen rai!
Nach etwas über einer Stunde bin ich dann in
meinem Guesthouse. Ein Bett, ein Schrank, ein
Tisch und ein Bad mit Warmwasserdusche. Und
natürlich Aircondition. Bei den Temperaturen
da draußen ein „Muss“. Alles ist sehr sauber
und noch relativ neu. Und das für 600 Bath,
ca. 12 Euro. Völlig O.K.! Aber kein
Klopapier.... Nach fast 11 Stunden Flug ein
Desaster! Aber ich bekomme es in den Griff.
Nach einer Dusche geht’s erst mal zum Wat Po,
um mich für General Thai Massage registrieren
zu lassen. Auf irgendwelchen Stadtplänen
sieht immer alles ganz einfach aus, aber in
Wirklichkeit... Nach einigem Fragen finde ich
das Büro. Alles kein Problem, ich soll am
Montag gegen 8.30 Uhr vorbeikommen. Nur meine
Passfotos sind zu klein. Scheiße! So, jetzt
habe ich erst mal Hunger. Bei meinem
Guesthouse um die Ecke ist das „Old Siam“.
Eine alte Shopping Mall, in der nur Thais und
Chinesen einkaufen und essen. Im 3. Stock
gibt es eine Food-Plaza, die ich noch von
vorherigen BKK-Aufenthalten kenne. Keine
Touris, kein Wort in Englisch und Karaoke bis
zum Abwinken. Man muss sich Bons kaufen und
kann dann an jedem Essenstand schlemmen. Die
unverbrauchten Bons kann man dann wieder in
Bath zurück-tauschen. Das Problem ist nur,
dass an den Ständen alles auf Thai und
Chinesisch steht. Also zeigt man einfach nur
auf das was man haben will. Egal, ich habe
nur gefragt: „Phaet mai?“, ist es scharf? Die
Köchin von dem Stand hat nur gesagt: „Nit
noi!“, ein bisschen! Bei uns hätte es auf
einer Thaikarte mit 4 Chillies gestanden!
Ich freu´ mich schon auf morgen früh! Dazu
trinke ich ein Singha Bier, dass mir von
einer Singha-Hostess immer nachgeschenkt
wird. Und das mit soviel Eiswürfeln, dass das
Bier nach Wasser schmeckt. Aber das Mädel ist
süß, sie darf mir soviel Eiswürfel geben wie
sie will... Als ich, als einzigster Farang, 3
mal gefragt werde, ob ich auch mal Karaoke
singen will, verlasse ich die Lokalität.
Zurück im Guesthouse begegne ich der Chefin
(Khun Mae). Wir unterhalten uns ein bisschen
und sie bietet mir China-Zigaretten an. Die
schmecken total scheiße, aber kosten nicht
mal ein Euro, wie sie mir sagt. Aus
Höflichkeit rauche ich mit. Des weiteren
lerne ich im GH ein Mädel aus München kennen,
die die Massage-ausbildung heute
abgeschlossen hat und heute Nacht noch nach
Hause fliegt. Wir trinken ein Singha zusammen
(bin froh, dass ich keine China-Zigaretten
mehr rauchen muss) und sie erzählt mir ein
bisschen von der Ausbildung. Sie sagt, es
wäre toll und ich könnte mich auf was freuen.
Und die Prüfung wäre auch zu bestehen. Ich
hasse Prüfungen! Nach einem weiteren Singha
fährt sie zum Flug-hafen und ich gehe ins
Bett. Das war der erste Tag...
Tag 2
Ich habe geschlafen wie ein Stein und die
Durchschlagskraft des Thaifood von gestern
Abend war auch nicht so schlimm. Das
Frühstück im GH ist spitze. Spiegeleier,
Toast, Marmelade, Kaffee und Orangensaft.
Evi, dass Mädel aus München, hat mir einen
Fotoladen gleich bei der Massage-schule
empfohlen, dass die offiziellen Fotos für die
Wat Po Zertifikationen macht. Da meine Fotos
aus Deutschland zu klein sind, suche ich
diesen Laden auf. Die netten Damen aus dem
Foto-Shop ziehen mir ein dunkles Sakko aus
den 70er Jahren an. Das muss so sein für
offizielle Fotos, sagen sie. Ich sehe aus wie
bei meiner Kommunion., aber wenn es so sein
muss.... Bin mal auf die Bilder gespannt.
Danach geht’s in den Wat Po, einem der
schönsten Tempel Bangkoks und gleichzeitig
auch die älteste Universität für
thailändische Heilkünste, sowie auch der
Thaimassage. Japanische Reisegruppen bis zum
abwinken. Japan muss leer sein. Blauer
Himmel, Sonne und knackige 36°. Das soll die
gefürchtete Regenzeit sein? Ich schwitze zwar
aus allen Poren, aber mir soll´s recht sein.
In den hinteren Pavillons gönne ich mir erst
mal eine Massage. Eine Stunde für 300 Bath (6
Euro)! Die Massörin, ca. 1,50 m groß,
verabreicht mir die härteste Massage, die je
bekommen habe. Sie trifft Punkte, die ich bis
jetzt noch nicht kannte und mir unbedingt für
meinen nächsten Bodenkampf merken muss.
Nach der Massage werde ich von 2
thailändischen Studenten interviewt, die
Referate zu Themen wie Zigaretten, Alkohol
und Farangs in Thailand schreiben müssen. Ich
werde Fotografiert und auf Tonband
festgehalten. Mein Englisch ist eigentlich
ganz gut, ganz im Gegensatz zu meinem Thai.
Danach spricht mich ein Thai an, ob er mich
fotografieren soll. Kriegt es zwar nicht
gebacken mit meiner Digitalkamera und filmt
mich, anstatt zu fotografieren. Er ist wohl
Mitarbeiter des Tempels.
Wir unterhalten uns und er bietet mir an mich
in die Mönchsunterkünfte mitzunehmen und mich
dem Abt vorzustellen, damit mich dieser
segnet. Kommt mir etwas komisch vor, denn die
Mönchsunterkünfte sind für Touris absolut
tabu. Was hat er vor? Nun gut, ich gehe mit.
Wir gehen durch die verwinkelten Bereiche der
Unterkünfte (hier finde ich nie wieder raus!)
und bleiben dann vor einer alten Tür stehen.
Mein „Guide“ klopft 2 mal und geht hinein.
Nach kurzer Zeit ruft er mich hinein und vor
mir sitzt ein alter, rundlicher Mönch und
lächelt mich an. Ich ziehe meine Schlappen
aus und knie mich vor ihm hin. Verbeuge mich
3 mal und lege die Hände zusammen, wie ich es
vom Muay Thai kenne. Der alte Mönch spricht
Gebete, segnet mich mit geweihtem Wasser,
bindet mir ein Bändchen ums Handgelenk und
gibt mir ein Buddha-Amulett, dass mich
beschützen wird, sagt er. Danach fragt er
mich woher ich komme, was ich so mache. Er
fragt mich auch, ob ich eine Fotokamera dabei
habe und sagt dem Guide er soll ein Foto von
uns machen. Nach dem das Bild gemacht worden
ist, gibt er mir seine Visitenkarte und sagt,
dass ich im das Foto schicken soll.
Mönche haben Visitenkarten?! Danach
verabschiede ich mich und hinterlasse eine
großzügige Spende. Mann, was für eine
Erfahrung! Zurück im GH dusche ich erst mal
ausgiebig. Ich glaube, ich habe zu wenig
T-Shirts dabei. Heute will ich noch ins Kino
und ins Lumpini Boxing Stadium, dem Mekka des
Thaiboxens.
Zum Hauptbahnhof von Bangkok, von wo auch die
U-Bahn abfährt, ist es nicht weit. Einmal
quer durch China-Town. Die Idee dorthin zu
laufen erweist sich als total bescheuert.
China-Town ist ein einziger Markt. Die eh
schon zu engen Bürgersteige sind mit allen
möglichen Dingen zugestellt, die sich
eventuell verkaufen lassen. Von Nagelscheren
bis zu Hirschgeweihen für die Potenz, von
Krabben, Käfern und Hühnern bis zu 2 Meter
hohen Hifi-Boxen. Dementsprechend bewegt man
sich hier in einer Art Polonaise durch die
Strassen. Warum habe ich nur geduscht und ein
frisches T-Shirt angezogen? Total
nassgeschwitzt und mit einem Sonnenbrand im
Gesicht, komme ich dann endlich am
Hauptbahnhof an. Mittlerweile gibt es an
jeder U-Bahn und Skytrain Station einen
Security-Check. Es wird in jede Tasche
geguckt. Wie gut, dass ich mein Messer dabei
habe. Der Sicherheitsbeamte übersieht es
lächelnd und lässt mich passieren. Ich
glaube, die sind nur scharf auf Bomben.
Zwei Stationen mit der U-Bahn, dann umsteigen
in den Skytrain. Die Stationen sind
super-sauber. Man könnte vom Boden essen.
Kein einzigster Papierschnipsel und keine
Zigarettekippe liegt rum. Auch keine
zerkratzten Scheiben und Schmierereien. Warum
gibt es bei uns nur so Arschlöcher, die alles
kaputt machen müssen.
In der neuesten Shoppingmall Bangkoks, dem
Siam-Paragon fallen mir fast die Augen raus.
Das Isenburg-Zentrum ist dagegen eine
Abstellkammer. Luxus pur! Im Paragon halte
ich mich nicht lange auf und gehe weiter in
die nächste Mall, dem MBK. Hier hängt die
besser betuchte Jugend BKK`s ab. Und hier
gibt es einen Mega Kinokomplex. Den Film, den
ich mir ansehen will heißt „Chaiya“ und ist
ein thailändischer Martial-Arts Film, in dem
es um die alte Kunst des Muay Thai Chaiya
geht. Elemente aus diesem alten Stil
unterrichte ich auch in meiner Schule. Der
Film ist sogar mit englischen Untertiteln. Am
Eingang wieder ein Security-Check. Ich darf
mein Messer behalten, muss aber meine
Fotokamera abgeben. Die haben wohl Angst,
dass ich mitfilme und dann den Film auf der
Strasse verkaufe. Doch nicht in Bangkok. So
was gibt´s hier nicht. Der Film ist ganz O.K.
Nette Kampfszenen, passable Handlung und
thaitypisch jede Menge Blut. Das Kino ist
Top, aber ich friere mir den A.... ab.
Geschätzte 10°. Thais lieben AC. Bin dann
doch froh als der Film zu Ende ist und ich
mich draußen aufwärmen kann.
So, weiter zum Thaiboxen. Ich bin ja nicht
zum Vergnügen hier. Nur wie komme ich zum
Lumpini Stadium? Skytrain und Taxi sind mir
zu kalt, da AC. Also gönne ich mir ein
Tuk-Tuk. Tuk-Tuks sind 3-rädrige Fahrzeuge
die die Luft verpesten, höllisch laut und
zudem nicht gefedert sind. Mein Fahrer ist
geschätzte 15 Jahre alt und versucht mich an
jeder Ampel mit Hochstarts zu beeindrucken.
Ich lächle cool und bin froh mein
Buddha-Amulett zu haben. Nach 20 Minuten sind
wir am Lumpini. Da der Abend noch jung ist
und die Kämpfe erst um 20.30 Uhr beginnen
gehe ich auf den benachbarten Night-Bazar.
Dieser Nacht-Markt ist riesig und es gibt
auch fast alles. Nur viel gepflegter als in
China-Town. Hier gibt es auch eine Menge
toller Restaurants und ich esse in einem,
dass ich von früher kenne und in dem es eine
sehr gute Phad Thai gibt. Dazu ein Singha,
was will man mehr. Kurz nach 20.00 Uhr bin
ich am Stadion und werde gleich von einem
Ticketverkäufer angequatscht. 2000 Bath für
einen Ringplatz! Die haben einen Schuss.
Früher habe ich 800 Bath dafür gezahlt. O.K.,
es ist schon ein paar Jahre her. Ich kann den
Preis auf 1600 Bath drücken und leiere dem
Verkäufer noch eine Video-CD mit den besten
Kämpfen aus dem Lumpini aus dem Ärmel. Dafür
bin ich jetzt in der ersten Reihe, direkt in
der blauen Ecke. Das heißt, man kann
eventuell diverse Körperflüssigkeiten der
Boxer abbekommen. Na ja, der große Blutfleck
neben meinem Platz ist mittlerweile
getrocknet.
Neben mir sitzen 2 Polen mit einer Thai.
Jedes 2. Wort ist „Kurva“ und sie führen sich
auf, als hätten sie ihr ganzes Leben geboxt.
Dabei haben sie keine Ahnung und setzen immer
auf den falschen Boxer. Das thailändische
Fernsehen überträgt live und ich bin
„ringside“! Wenn man im Lumpini auf die
Toilette will, muss man durch die
Gemeinschaftsumkleidekabine der Kämpfer. Sehr
interessant. Hier wird bandagiert, da
massiert, in der anderen Ecke werden Wunden
genäht und geduscht wird direkt in der
Herrentoilette. Nach einem schönen Kampfabend
gönne ich mir wieder ein Tuk-Tuk. Eine
Nachtfahrt durch das beleuchtete Bangkok ist
wunder-schön. Das Problem ist nur, wenn der
Fahrer keinen Plan hat, wo er hin muss. Da
ich mich mittlerweile so einigermaßen in Bkk
auskenne, erkläre ich ihm den Weg. Im GH noch
ein Singha und dann ab ins Bett. Ich liebe
Tuk-Tuks....
Tag 3
Sonntag! Markttag! Heute will ich auf den
Chatuchak Weekend Market. Der Chatuchak ist
der größte Markt Bangkoks. Hier kann man
prima handeln und paar gute Schnäppchen
machen. Er ist wirklich riesig und in den
Gassen und Gängen steht die Hitze. Da ich
nicht noch mal durch China-Town laufen will,
gibt mir meine GH-Mutter den Tipp, ich soll
mit dem Bus zur U-Bahnstation fahren. Der 1er
Bus, mit dem ich fahren soll, fährt fast vor
dem Guesthouse ab und Khru Mae schreibt mir
alles in Thai auf einen Zettel, den ich dann
der „Abkassiererin“ im Bus zeigen soll. Der
thailändische Public-Bus ist eine Mischung
aus unseren Linien-Bussen und einem VW-Bus,
hat kein Fenster und keine Türen und der
Fahrer fährt schlimmer als jeder Tuk-Tuk
Fahrer. Aber ich habe ja mein Buddha-Amulett.
Nach einer heißen Fahrt, friere ich mir
wieder in der U-Bahn den Bobbes ab. Habe ich
schon erwähnt, dass die Thais AC lieben? Der
Chatuchak ist wie immer, heiß und laut. Und
voller Japaner! Ich dachte die haben nur 10
Tage Urlaub im Jahr? Nach 30 Minuten auf dem
Markt, bin ich total durchgeschwitzt. Die
Sonne brennt brutal vom Himmel und ich frage
mich was mit der Regenzeit ist? Gegen Mittag
verzehre ich eine leckere Ente mit Reisnudeln
und trinke eine Cola (kein Singha!) für
umgerechnet 1,50 Euro! Nachdem ich mir ein
paar T-Shirts, Blumen und eine Muay Thai
Skulptur gekauft habe, verlasse ich den Markt
um mich in der U-Bahn abzukühlen. Am
Hauptbahnhof angekommen nehme ich mir wieder,
da ich Tuk-Tuks liebe, ein eben solches.
Der Fahrer ist ein älterer, zahnloser Mann,
der gerade dabei ist seine Turnschuhe zu
nähen. Nach dem Bild auf seiner
Driver-License, die im Tuk-Tuk hängt, fährt
er schon seit 40 Jahren. Nach zähem Handeln
kann ich den Preis von 80 auf 60 Bath
drücken. Dafür will er mich in irgendein
Geschäft fahren, in dem ich 10 Minuten gucken
soll und er von dem Laden dann
Benzingutscheine bekommt. Darauf habe ich ja
gar kein Bock. Ich will ins GH, bin müde und
will eine Dusche. Ich sage ihm, dass ich 80
Bath bezahle, wenn er mich direkt ins GH
fährt. Macht er dann auch und wie...... Auf
dieser Fahrt schließe ich mehrmals mit meinem
Leben ab. Ich bete zu Buddha, Jesus und wer
mir noch so alles einfällt. Er quetscht sich
in jede Lücke, zwischen jeden Bus, drängt
Motorräder ab und nimmt jedes Schlagloch mit.
Tuk-Tuks haben immer noch keine Federung.
Mein „Glutaeus Maximus“ schmerzt bis zum
Abwinken. Habe ich gesagt, dass ich Tuk-Tuks
liebe? Ich habe gelogen! Nach dem ich diese
Fahrt überlebt habe, glaube ich an mein
Buddha-Amulett und habe das Gefühl
unsterblich zu sein.
Im GH springe ich unter die Dusche und
genehmige mir ein Chang-Bier (Singha ist
z.Zt. aus). Jetzt regnet es auch zum ersten
mal. Es ist ja Regenzeit. Aber was sage ich
Regen. Das sind mindestens 5 Wolkenbrüche auf
einmal. Bangkok dampft! Nach 2 Stunden lässt
der Regen nach, dafür ist es jetzt
schwül-heiß wie in einem römischen Dampfbad.
Ich schwitze! Fast mehr als bei jedem
Free-Fight Training. Und ich habe einen
Bärenhunger. Durch den Regen finde ich keine
Garküche weit und breit. Sehr unüblich!?
Na,ja! Dann sündige ich halt. Im Old Siam
gibt es ein „Mäces“! Ein Bic Mäc Menü für
2,10 Euro geht. An einer Garküche hätte ich
damit eine 5-köpfige Familie verpflegen
können. Aber ich habe ja auch ein bisschen
Urlaub, bevor es morgen mit der
Massageausbildung losgeht. Zurück im GH nehme
ich noch ein Singha (ist wieder vorrätig) und
verabschiede mich für heute. Zum Glück habe
ich AC.....
Tag 4
Bin schon um 6.00 Uhr wach. Wahrscheinlich
vor Aufregung. Heute geht’s los mit der
Massageausbildung. Unter die Dusche und ab
zum Frühstück. Meine GH-Mutter hat mir sogar
„Ham“ zu meinen Spiegeleiern gemacht. Ich
glaube, sie mag mich. Sie ruft mich auch
immer wenn Thaiboxen im Fernsehen läuft. Sie
ist Chinesin und sieht für ihre 59 Jahre noch
sehr gut aus. Das einzige Problem ist, sie
spuckt! Und zieht dabei alles hoch was geht.
Sie hat dafür sogar einen Spucknapf vor der
Rezeption stehen. Scheint irgendwie so eine
Abart der Chinesen zu sein.
Nach dem Frühstück gehe ich zum Fotoladen und
hole meine „Offiziellen Wat Po Certification
Fotos“ ab. Oh, mein Gott! Ich stehe kurz vor
einem Lachkrampf, kann mich aber gerade so
beherrschen. Die Fotos sind so digital
bearbeitet, dass ich 20 Jahre jünger aussehe.
Keine einzige Falte ziert mein Gesicht mehr.
Das sind halt offizielle Fotos, die müssen so
aussehen. Habe zwar nur 3 Stück bestellt,
bekomme aber 12. Die Damen vom Shop wollten
mir wohl eine Freude machen.
Nach der Registrierung in der „Wat Po
Traditional Medical School“ lerne ich meine
Klasse kennen. Vier Japanerinnen, die alle
aussehen, als wären sie noch nicht
volljährig. Evelyn, eine Amerikanerin mit
philippinischen Wurzeln, geschätzte Ende
vierzig. Und Katja, eine 24-jährige Deutsche
aus München. Sie wird wohl auch für die
nächsten Tage meine Trainingspartnerin sein.
Bin mal wieder der einzigste Mann,
ausgenommen von unseren thailändischen
Lehrern.
Katja ist schon seit 2 Monaten auf
Südostasien Tour unterwegs, bevor sie im
Oktober einen Top-Job bei der Firma
Morgan-Stanley beginnt. Sie war schon auf
Bali und hat einen balinesischen Kochkurs
gemacht. Danach in Malaysia ihren
Tauchenschein. Von dort nach Ko Samui, zum
Retreat (Meditation und Fasten) und
thailändischen Kochkurs. Und jetzt in Bangkok
zur Thaimassage-Ausbildung. Danach will sie
noch nach Hong Kong und Dubai. Das Mädel
kommt viel herum. Recht hat sie, man wird
schnell genug alt und angepasst und kommt in
die Tretmühle unserer Gesellschaft.
Nachdem unsere Lehrer uns die Beine mit
Edding angemalt haben, freue ich mich auf das
Duschen heute Abend. Sie haben uns jeden
Akupressurpunkt und jede Energielinie
aufgemalt. Idiotensicher! Wir können sie gar
nicht verfehlen. Sie sagen uns aber bei der
Prüfung gibt es das dann nicht mehr. Ich
hasse Prüfungen! Nachdem uns unsere Lehrer
eine Komplette Massage gezeigt und erklärt
haben ist Mittagspause.
Die Strasse hinter dem Wat Po Tempel, in der
die diversen medizinischen Ausbildungsstätten
liegen, ist voll von Garküchen, Kräuter- und
Amulettläden. Hier was zu Essen zu bekommen
ist kein Problem. Ich gehe mit Toshiko und
Haruko, zwei von meinen japanischen
Mitschülerinnen, in ein kleines Restaurant
neben unserer Schule. Toshiko erzählt mir,
dass sie Web-Designerin ist und 4 Jahre in
England gelebt hat. Ihr Englisch ist perfekt.
Haruko ist Shiatsu-Massörin. Die beiden
scheinen doch schon volljährig zu sein!? Nach
dem „Lunch-Break“ massieren Katja und ich uns
gegenseitig. Sie trifft auch Punkte, die ich
mir für das Bodenkampf-training merken muss.
Alles in Allem ist es ziemlich anstrengend,
da man bei den englischen Erklärungen
höllisch aufpassen muss. Aber wir haben
trotzdem sehr viel Spaß. Unsere beiden Lehrer
sind super-witzig und sehr kompetent. So kann
es weitergehen. Um 16.00 ist Schluss mit
Stretchen, Kneten und Drücken.
Zurück im GH gönne ich mir erst mal ein
Singha und dusche ausgiebig, um meine mit
Edding verzierten Beine sauber zu bekommen.
Wie gut, dass ich Kernseife dabei habe. Aber
keine Bürste...! Der Edding ist fast
weggegangen. Paar Punkte sieht man noch. Da
freut sich Katja, dass sie nicht soviel
nachzeichnen muss.
Gegen 19.30 Uhr gehe ich ins „Old-Siam“
essen. Bisschen Karaoke kann nicht schaden,
sofern man nicht selber singen muss. Die
Läden dieser alten Mall haben schon
geschlossen und das Food-Plaza schließt um
20.30 Uhr. Als ich reinkomme fangen die
Thaimädels schon an zu lachen. Scheinen mich
wohl noch zu kennen. Der Farang, der keine
Karaoke singen will. Ich würde es ja machen,
aber die haben ja nur irgendwelche
Thaischnulzen im Angebot. Hätten die was von
Elvis gehabt, hätte ich auch gesungen.
Bei einem Essenstand bietet man mir einen
Löffel Suppe zum Probieren an. Habe zwar
keine Lust auf Suppe, probiere aus
Höflichkeit trotzdem. Auf meine Frage „phät
mai?“, wieder nur die Antwort „nit noi!“. Ich
habe das Gefühl Benzin zu trinken. Die Mädels
haben ihren Spaß und ich eine keimfreie
Mundhöhle. An einem anderen Stand entscheide
ich mich für Huhn, ich glaube zumindest, dass
es Huhn ist. Und nach dem Schärfegrad frage
ich auch nicht mehr. Die Antwort wäre sowieso
nur „nit noi“. Es ist brutal scharf, aber
super-lecker! Das Singha dazu löscht das
gröbste. Da das Food-Plaza gleicht schließt,
werden die letzten Karaoke-Lieder von Herz,
Schmerz, usw. geträllert.
Ein Mädel, dass die Stühle auf die Tische
stellt, spricht mich auf Thai an und ich
verstehe nur was von einer Telefonnummer.
Wahrscheinlich spricht sie Dialekt?! Ich
stürze mein Singha runter und mache, dass ich
wegkomme. Als ich im GH ankomme, fängt es wie
aus Kübeln an zu regnen. Der ganze Tag war
sonnig und heiß. Jetzt wird Bangkok wieder
zur Waschküche. Ich checke noch meine
E-Mails, schreibe paar Greetings nach Hause
und gehe dann ins Bett. Morgen geht es mit
der Ausbildung weiter....
Tag 5
Heute zeigt das Thaifood von gestern Abend
zum 2. mal sein Feuer. Puhhh..., ich
verbrenne! Näher gehe ich jetzt nicht darauf
ein. Nach dem Duschen und meinem
Traveller-Frühstück geht’s wieder in die Wat
Po Massageschule.
Am Vormittag wiederholen wir die
Akupressurpunkte und Techniken vom Vortag.
Katja und ich arbeiten richtig gut zusammen
und geben es uns schon richtig hart. Das
merken wir, als wir die Partner tauschen und
von unseren japanischen Mitschülerinnen
massiert werden. Toshiko und ihre Mädels
streicheln uns nur. Da brauchen wir
„Deutschen“ es schon ein bisschen härter.
In der Mittagspause gehe ich mit Evelyn,
unserer philippinischen Amerikanerin, in ein
kleines Restaurant essen. Sie ist sehr nett
und hat für ihr Alter eine Top Figur. Sie
erzählt mir, dass sie in Palm Beach (Florida)
lebt, ein Haus am Strand hat und im Spa des
Ritz-Carlton arbeitet. Nicht schlecht! Ich
erzähle Ihr, dass ich eine Kampfkunstschule
in Dreieich habe. Auch nicht schlecht, oder?
Nach der Mittagspause kommt der nächste Block
mit neuen Techniken dran. Katja und ich
verrenken uns gegenseitig, dass es schon fast
wie Kamasutra aussieht. Unsere Lehrer sagen
uns, dass noch 3 weitere Blöcke folgen und
wir die insgesamt 5 dann bei der Prüfung
können müssen, ohne auf unsere Unterlagen zu
schauen. Dazu kommen noch Fragen über die
Do´s und Dont´s, die wir auf Englisch
beantworten müssen. Was heißt eigentlich
Schlüsselbein auf Englisch? Jedenfalls nicht
„Keyleg“! Das kann ja ein Spaß werden. Ich
kann nicht mal den ersten Block auswendig
massieren. Aber Katja und den anderen geht es
genauso. Um 16.00 Uhr haben wir Schluss und
freuen uns auf morgen.
Ich will heute noch ins Lumpini-Stadion.
Nicht um mir Kämpfe anzuschauen, sondern um
einzukaufen. Die haben dort einen Twins-Shop
mit Muay Thai Artikeln zu super Preisen. Um
ein vielfaches günstiger als in Deutschland.
Vorher muss ich mir aber Geld besorgen. Ich
habe nur noch 100 Bath (ca. 2,00 Euro) und
damit kommt man selbst in Bangkok nicht sehr
weit. Nach dem Duschen gehe ich zum nächsten
Geldautomaten und das Drama nimmt seinen
Lauf... EC-Karte rein, warten was der Automat
sagt und Pin und Betrag eingeben. ERROR!
Karte kommt ohne Geld wieder raus. Noch mal
das selbe Spiel. ERROR! Karte kommt wieder
raus. Nächster Automat, selbes Spiel. ERROR!
OK..! Ich probiere es mit meiner Mastercard.
ERROR!
Da ich in Thailand Gelassenheit und Geduld
gelernt habe, trete ich den Automaten nicht
zusammen. Das Problem ist, dass alle Banken
schon zu haben. Zumindest in meinem Viertel.
Für was habe ich eine Mastercard Gold? Wohl
nur zum angeben! So ein Bullshit. Ein
Bankangestellter der gerade Feierabend macht,
hat wohl Mitleid mit mir und sagt mir die
einzigen offenen Wechselstuben sind in den
Touri-Vierteln. Prima! Die nächste
Touri-Enklave ist die Khao San Road.
Die Khao San Road ist von meinem Viertel
ungefähr 3 bis 4 Km Luftlinie entfernt. In
Deutschland kein Problem. In Bangkok ist das
sehr viel und kann unter Umständen mit dem
Auto 45 Minuten und länger dauern. Zu Fuß ist
es auch nicht besser. Entweder muss man durch
enge Strassen, die mit Marktständen
vollgestopft sind oder man hat das Gefühl
ständig eine Autobahn zu überqueren.
Zebrastreifen zählen hier nichts. Ich
beschließe trotzdem zu laufen. Am
Königspalast vorbei, dann am thailändischen
Verteidigungsministerium, an dem gerade eine
ca. 30 qm große Fahne eingeholt wird und dazu
die Nationalhymne gespielt wird. Die Soldaten
stehen alle stramm, genauso alle Thais die
dort gerade vorbei laufen. Der Himmel
verfärbt sich schon wieder verdächtig. Na ja,
habe ja zum Glück meinen kleinen Regenschirm
dabei. Ist schon lange her, als ich das
letzte mal in der Khao San Road, dem Paradies
der Backpacker, abgestiegen bin. Muss nur
einmal nach dem Weg fragen, der mir von 2
Berliner Mädels gezeigt wird, da ich meinen
Stadtplan vergessen habe. Mein
Orientierungssinn funktioniert also noch ganz
gut. Nach ungefähr 45 Minuten Fußmarsch stehe
ich am Anfang der Khao San Road, als es
Anfängt zu regnen. Aber das ist kein Regen,
dass sind die Niagarafälle die da runter
kommen. Ich kann mich gerade noch so
unterstellen, was aber nicht viel nutzt, da
der Regen scheinbar von überall her kommt. In
kürzester Zeit steht soviel Wasser auf der
Strasse, dass die Tuk-Tuks kaum noch vorwärts
kommen. Toll! Kilometerweit von meinem
Guesthouse entfernt und keine Kohle. In
meinem Unterstand befinden sich noch eine
Engländerin, ein Japaner und ein Philippino.
Alles Backpacker aus der Khao San Road. Wir
unterhalten uns über eine Stunde und der
Regen wird immer heftiger. Durch den
Regenschleier sehe ich was, dass wie ein
„Exchange“-Schild aussieht. Ich kämpfe mich
bis dahin durch, bin ja sowieso schon
klitschnass und siehe da: Ein
Exchange-Schalter und sogar offen! Ich
tausche 140,00 Euro in Bath und fühle mich
ein bisschen besser.
In dem ganzen Regenchaos gelingt es mir sogar
ein Taxi zu ordern. Lumpini kann ich heute eh
vergessen. In dem Taxi sind es wieder
geschätzte 10°! Ganz toll, wenn man triefend
nass ist. Ich zeige dem Fahrer die
Wegbeschreibung zu meinem Guesthouse auf
Thai. Er schaut sich die Karte 5 Minuten an
und weiß trotzdem nicht wo er hin muss. Wie
bekommen die hier eigentlich ihre Taxilizenz?
Er lässt das Taximeter aus und will 100 Bath
haben. Ich lache ihn aus , habe aber auch
keinen Bock wieder auszusteigen. Also sage
ich ihm er bekommt 80 Bath, da ich ihm ja
auch noch den Weg zeigen muss. Also lotse ich
mal wieder einen Fahrer durch Bangkok. Er
fragt mich, ob ich mit Familie hier wäre. Ich
sage knapp „Nein!“ und versuche mich in dem
Chaos, dass da draußen herrscht, auf den Weg
zu konzentrieren. Er fragt weiter und zwar ob
ich zum „Bum-Bum“ hier wäre. Wahrscheinlich
kennt er nur den Weg zu den Bars und Puffs in
Bangkok. Nein, kein „Bum-Bum“, nur
Thaimassage., sage ich mit einem leicht
gereizten Ton. Daraufhin lässt er mich dann
auch in Ruhe. Beim Old-Siam lasse ich mich
absetzen und versinke bis zu den Waden im
Wasser. Zum Glück habe ich meine
Gummischlappen an. Heute habe ich keine Lust
auf Karaoke und genieße einen Bic Mäc. Den
habe ich mir mehr als verdient! Im Guesthouse
gibt’s noch ein Chang und sonst nichts mehr.
Ich träume heute Nacht bestimmt, ich wäre
Taxifahrer in Bangkok.....
Tag 6
Von dem ganzen Regensturm, gestern Abend,
sieht man heute rein gar nichts mehr. Der
Himmel ist strahlend blau und die Sonne
brennt um 7.00 Uhr morgens so heiß, dass ich
mich frage, wieso ich mich eigentlich noch
dusche. Abkühlung bringt das nur kurzfristig
und das bisschen Körpergeruch fällt bei dem
ganzen Smog, den Garküchen usw. gar nicht
auf. Natürlich dusche ich weiterhin,
mindestens 2 mal am Tag...! Heute nehme ich
nur 2 Toast ohne Spiegelei und Schinken, aber
mit Kaffee und Orangensaft zum Frühstück. Bin
noch pappsatt vom Big Mäc gestern Abend. Khun
Mae, meine Guesthouse Mutter, fliegt heute
für 2 Tage nach Chiang Mai, in den Norden
Thailands. Ihre Tochter hat dort ein Hotel.
Mhm, und wer macht mir jetzt das Frühstück?
Wenn ich das gewusst hätte, hätte sie mir
meine Lieferung, die ich aus Chiang Mai
erwarte, mitbringen können. Ich habe von
Deutschland aus einiges an Muay Thai
Equipment geordert. Die Lieferkosten nach
Deutschland wären sau-teuer geworden. Also
habe ich meinem Lieferanten gesagt, er soll
mir das Zeug nach Bangkok in mein Guesthouse
schicken. Bezahlt ist es schon und ich warte
jeden Tag darauf. Ob das klappt? Nach dem
Frühstück geht es wieder in die
Massage-Schule.
Jeden Tag um 9.00 Uhr versammeln sich alle
Schüler um gemeinsam mit den Lehrern den Wai
Khru zu praktizieren. Wai bedeutet „Gruß“ und
Khru bedeutet „Lehrer“. Mit diesem Wai Khru
ehren wir unsere Lehrer, die lebenden und die
toten. Speziell bei der traditionellen
Thaimassage wird damit Dr. Jivaka
Kumarbaccha, dem Vater dieser Heilkunst,
diese Ehrung zuteil. Dr. Jivaka lebte vor ca.
2.500 Jahren in Indien und war ein Freund und
Weggefährte des Buddha. Seine Name findet
auch Erwähnung im Pali-Kanon, einer sehr
alten Aufzeichnung der buddhistischen Lehre.
Nach dem Wai Khru folgt noch ein kurzes Gebet
und eine kurze Meditation. Es ist jeden
Morgen wirklich eine sehr schöne Zeremonie.
Danach sind wir bereit um zu lernen und die
Schüler teilen sich wieder in ihre Klassen
auf. Ich bin als erster dran, die Blöcke 1-3
komplett zu massieren. Katja freut sich und
kann sich erst mal von mir „verwöhnen“
lassen. Ich brauche für die 3 Blöcke satte 2
Stunden.
Meine japanischen/amerikanischen Mitschüler
sind um einiges schneller fertig. Mach ich
was falsch? Bis zu Mittagspause sind es noch
45 Minuten und Katja schafft nicht mal den
ersten Block, wobei unsere Mitschülerinnen
schon fast beim dritten sind. Scheint wohl
ein deutsches Problem zu sein, dass wir nicht
nachkommen?
In der Mittagspause esse ich in einer
Garküche direkt an der Strasse neben der
Schule. Huhn und Schwein mit Reis. Sehr
scharf! Die Besitzerin der Garküche ist bis
jetzt die erste, die mir auf meine Frage
„Phät Mai?“ die Antwort gibt „Phät!“ (scharf)
und nicht wie die anderen „nit noi“. Ich
bestelle trotzdem und es ist genial. Vorallem
für umgerechnet 70 cent! Scheinbar vertrage
ich langsam das „Super-Scharfe“. Zu mir
gesellen sich Katja und Evelyn. Sie findet es
etwas „strange“, dass Katja und ich an einer
Garküche essen und fragt uns, ob wir keine
Angst hätten krank zu werden. O.K., sie lebt
in den Staaten und da ist es etwas steriler.
Jedenfalls lässt sie sich von uns dazu
hinreißen doch etwas von der Garküche zu
probieren. Reis mit Fisch und es schmeckt ihr
sehr gut. Hoffentlich wird sie nicht krank.
Nach unserem Lunch geht es weiter.
Katja macht Block 2 und 3 fertig, während die
anderen schon Block 4 lernen. Wir hängen
total nach und fragen unseren Lehrer, ob wir
zu langsam sind. Aber die sagen es wäre
perfekt! So muss eine Thaimassage sein....!
Wir zwei sind völlig überrascht. Die 2.
Bestätigung erhalten wir dann, als unsere
Lehrer sich von Katja und mir massieren
lassen. Wir beide gehen mit vollem
Köpereinsatz zu Sache und unsere Lehrer
fangen wirklich an zu stöhnen, grunzen....
Keine Ahnung wie man das nennen soll. Sie
sagen, es wäre genau die richtige Härte und
darf schon ein bisschen wehtun. Wenn wir
diese Härte bei unseren japanischen
Mitschülerinnen anwenden würden..... Oh je,
da würden paar Knochen krachen!
Jedenfalls haben wir die Bestätigung unserer
Lehrer, dass eine Thaimassage langsam und mit
einer gewissen Härte ausgeführt werden soll.
Nachdem wir die Blöcke 4 und 5 lernen und
massieren ist Feierabend. Morgen mehr und wir
sind alle ganz schön platt. Meine Daumen sind
mittlerweile so hart, dass ich das Gefühl
habe damit Türen eindrücken zu können. Und
das trotz meiner kaputten Kapseln. Freu´ mich
schon auf das nächste Bodenkampftraining mit
Nervenpunkt-Einsatz! Zurück im Guesthouse
unterhalte ich mich bei meinen
„After-Massage-Bier“ mit einem von Khun Mae´s
Söhnen. Wir reden über Thai-Movies,
Lebenshaltungskosten in Thailand und
Deutschland und einiges mehr.
Heute ist auch endlich meine Lieferung aus
Chiang Mai gekommen. Ganz schön viel, was ich
da bestellt habe. Soviel hatte ich gar nicht
in Erinnerung. Und vor allem schwer! Ich weiß
gar nicht, wie ich das alles in meine
Reisetasche bekommen soll. Und ich wollte
noch in den Twins-Shop und in die
Shopping-Malls zum Einkaufen. Na ja, mal
sehen. Nach dem Duschen laufe ich durch die
Strassen „meines“ Viertels auf der Suche nach
einer Garküche. Dabei komme ich an einem
Stand mit gerösteten Heuschrecken, Maden und
Käfern vorbei. Und die sehen richtig gut aus.
Ich überlege..... und gehe weiter! Vielleicht
das nächste mal. Ich esse schließlich bei
einem Chinesen (bin ja in China-Town) Roasted
Duck mit Reis und einer Dose Singha für 80
Bath. Das teuerste an dem Essen ist das Bier,
dass doppelt soviel kostet wie das
eigentliche Essen. Zurück im Guesthouse
checke meine E-Mails bei einem Chang und
falle ins Bett....
Tag 7
Wieder brütende Hitze und das schon morgens
um kurz vor 7 Uhr. Der Lärm von den Autos auf
der Strasse dröhnt die ganze Nacht und am Tag
kommt noch ohrenbetäubende Musik dazu. Mein
Guesthouse liegt genau an der Grenze zwischen
den Vierteln „Little India“ und „China-Town“,
mitten im „Lautsprecher-Markt“. Hier stehen
auf den Bürgersteigen meterhohe
Lautsprecherboxen und die dazugehörigen
Verstärker. Die Verkäufer drehen bis zum
Anschlag auf, um den Klang ihrer Boxen zu
demonstrieren. An einer Ecke gibt’s Hip Hop,
an einer anderen Bollywood-Schlager und noch
eine Ecke weiter Heavy Metal. Nach 2 Tagen
hat man sich an diesen Geräuschpegel gewöhnt
und zurück in Deutschland hast du dann das
Gefühl, dass auf unseren Strassen absolute
Stille herrscht. Nach dem Frühstück geht’s
wieder ab zur Schule.
Ich komme mir schon vor, als wäre ich ewig
hier. Mittlerweile lächeln mich viele der
Geschäftsleute in meiner Strasse an, weil ich
so ziemlich der einzige Farang bin, der hier
jeden Morgen mit seiner Massage-Tasche lang
läuft. Die Tasche ist ein Geschenk der Schule
an seine Schüler. Mit der Tasche hupen mich
auch nicht mehr so viele Tuk-Tuks an, weil
fett Wat Po Massage School draufsteht. In die
Schule laufe ich von meinem Guesthouse
ungefähr 5-10 Minuten, je nach dem, wie ich
über die Strassen komme. Das Gefährlichste an
Bangkok ist wirklich das Überqueren von
Strassen. Zebrastreifen interessieren nicht
und Fußgängerampeln gibt es so gut wie gar
nicht. Auf meinem Weg komme ich an einer
Schule vorbei, die wie eine Militärakademie
aussieht. Die Schüler stehen morgens beim
Appell stramm und nachmittags sieht man
einige von ihnen Krabi Krabong üben. Und das
Alles in Kampfstiefeln bei knapp 40°! Was
liebe ich da meine Flip-Flops.
Gegenüber der Akademie ist dann auch eine
Kaserne, an der mich die Wachen regelmäßig
ansprechen, ob ich nicht reinkommen und
schießen will. Sehr merkwürdig!? Ich lehne
jedes Mal dankend ab. Hatte bei der
Bundeswehr schon Probleme mit dem Schießen.
Bin doch eher für den Nahkampf mit Händen,
Schwertern und Stöcken zu haben. Dann laufe
ich durch eine kleine Strasse zwischen dem
eigentlichen Wat Po Tempel und den
Mönchsunterkünften, die ich ja bereits kennen
gelernt habe. In dieser Strasse wimmelt es
schon am Morgen nur so vor lauter
gecharterten Kleinbussen, die die Touris zum
Tempel bringen. Dann nur noch einmal um die
Ecke und ich bin da. In meiner Parallelklasse
sind ein Thai und eine Thailänderin, die
beide in Deutschland leben und sehr gut
deutsch sprechen. Als ich mich einmal mit
beiden länger unterhalten habe, war Evelyn
sehr beeindruckt von mir, da sie glaubte ich
würde Thai mit ihnen sprechen. Ich habe sie
dann doch schließlich aufgeklärt, dass es
Deutsch war. Die beiden Thais sind auch extra
für die Ausbildung nach Thailand geflogen, um
dann in Saarbrücken und Mannheim ihre eigene
Massagepraxen zu eröffnen.
Heute Morgen steht das Wiederhohlen der
Blöcke 1-5 an. Ich zuerst Katja, dann Katja
mich. Wir brauchen wieder länger als unsere
Mitschülerinnen! Macht aber nichts. Wir
streicheln uns ja nicht, sondern geben
Alles...
Nach einem leckeren Curry-Chicken, in der
Mittagspause, dasselbe Spiel. Ich Katja, dann
Katja mich. Zwischendurch Simultan-Massage
durch einen unserer Lehrer. Er lernt gerade
Spanisch und jedes 2. Wort von ihm ist
„Gracias“. Er ist ein super-netter Typ und
total witzig. Die anderen Lehrer von uns sind
wesentlich älter, etwas grimmig, aber
trotzdem nett und helfen uns Farangs wo sie
nur können. Nach dem Unterricht hole ich mir
im Massage-Büro noch mein „Wat Po School
T-Shirt“ ab und kaufe für einen Bekannten
noch ein paar Massage Bücher. Er betreibt in
Deutschland eine Thaimassage-Praxis. Seine
Frau ist Thai und hat ihre Ausbildung auch im
Wat Po gemacht. Seine Adoptivtochter
trainiert bei mir Muay Thai.
Zurück im Guesthouse erst mal duschen, dann
ein bis zwei Changs, eine Garküche suchen,
E-Mails checken und dann lernen, lernen,
lernen..
Morgen ist „Examination-Day“!
Tag 8
Ich habe kaum geschlafen. War jede Stunde
mindestens 1 mal wach. Um 5.00 Uhr ging gar
nichts mehr. Soll ich noch lernen? Nee, je
öfter ich in die Unterlagen schaue, desto
weniger kann ich mir behalten. Ich versuche
zu meditieren, aber es hilft auch nicht. Also
duschen, frühstücken und ab zur Schule.
Klappt nicht ganz. Als ich mein Frühstück
beendet habe, setzt sich ein alter Thai aus
der Nachbarschaft zu mir. Er will ein
bisschen plaudern. Er erzählt mir was vom
Tsunami vor 3 Jahren, vom Wetter in Bangkok
(es nieselt gerade ein bisschen, in
Deutschland wäre das ein mittelschwerer
Regenschauer) und davon, dass er schon mal in
München und Frankfurt war. Auf irgendwelchen
Messen. Dann fängt er vom Thaiboxen an.
Welche Promoter und Kämpfer er alles kennt.
Sehr interessant, aber ich habe jetzt kein
Nerv dafür. Nach 20 Minuten sage ich ihm,
dass ich jetzt in die Schule muss. Wenn die
Strassen in Bangkok nass sind, wird es
richtig gefährlich. Da viele Bürgersteige
total abgetreten sind, werden sie bei Regen
spiegelglatt. Mit meinen Gummischlappen bin
ich nur am rutschen. Und wenn man dann
schnell eine Strasse überqueren will, kann
das verhängnisvoll werden.
Noch vor unserer Schule treffe ich Katja. Sie
ist mindestens genauso aufgeregt wie ich.
Ebenso unsere japanischen Mitschülerinnen.
Nur Evelyn ist ganz cool. Sie sagt uns, wir
sollen uns keine Gedanken machen, denn wir
würden alle super massieren. Sie muss es
wissen, sie hat schließlich auch schon eine
Ausbildung im nord-thailändischen
Massagestil. Nach dem morgendlichen Wai Khru
geht’s los mit üben. Ich massiere Katja alle
5 Blöcke und dann sie mich. Zwischen uns hat
sich ein kleiner Wettkampf entwickelt. Wer
bringt jeweils beim anderen die meisten
Finger und Zehen zum Knacken. Ich gewinne
knapp. Sie hat die längeren Finger und Zehen,
die lassen sich besser knacken. Danach ist
Mittag.
Wir gehen zusammen in das kleine Restaurant
neben unserer Schule zum Essen und
beschließen dabei, dass jeder den anderen je
1 Stunde noch mal massiert. Unsere Lehrer
haben aber andere Pläne mit uns. Sie tun uns
mit unserer thailändischen Parallelklasse
zusammen und wir sollen uns gegenseitig
massieren.
Hey, ich will meine Katja! Bei ihr weiß ich,
wie ich sie rannehmen muss und sie weiß es
bei mir. Zum Glück bekomme ich den Thai aus
Mannheim. Er ist sehr groß, breit und
muskulös für einen Thai. Und hat Waden, wie
ich Oberschenkel. Also kann ich alles geben.
Im Gegensatz zu Katja. Sie bekommt eine
kleine Thailänderin und muss sich ganz schön
zurückhalten. Das ist nun die Generalprobe
für unsere Prüfung um 15.00 Uhr.
Klappt auch ganz gut, denn neben mir massiert
Evelyn und ich kann ein bisschen abgucken.
Unsere Lehrer korrigieren hier und da noch
ein wenig, aber sonst läuft es echt gut. Um
kurz vor drei sagt unser Lehrer, er zeigt uns
jetzt noch die Bauchmassage. Was soll das
jetzt? Wir haben gleich „Examination“ und er
bringt uns noch was Neues bei? Unser Kopf ist
voll genug. Und ausgerechnet ich muss „Model“
machen! Ich lege mich hin und unser Lehrer
schiebt mir das T-Shirt bis zur Brust hoch.
Ungefähr 15 Mädels und 2 Jungs stehen um mich
herum, während mir der Lehrer Zeichen und
Zahlen auf den Bauch malt. Alles wieder mit
Edding. Toll, heute Abend kann ich wieder
schrubben. Evelyn meint, dass ist mal ein
Bauch! In Amerika muss sie immer nur dicke
Amis massieren. Und das die meisten
amerikanischen Männer fett sind. Na ja, bei
den Deutschen sieht es auch nicht viel anders
aus, meint Katja. Puh, wie gut, dass ich im
letzten Jahr 10 Kg abgenommen habe und mein
Bauch richtig hart geworden ist (sonst müsste
ich hier mit einer Plautze liegen). Und alles
ohne eine bescheuerte Diät oder ein
sogenanntes Fitness-Studio. Nur durch ein
„bisschen“ Kampfsport. Auch durch diese paar
Tage massieren und massiert werden, sind
meine Muskeln so hart und flexibel geworden,
wie in meinen besten Wettkampfzeiten nicht.
Und das ist schon ein paar Jahre her.
Die Leute sollten mehr Thaimassage in
Anspruch nehmen und nicht in den
Fitness-Studios ihre Muskeln bis zur
Unbeweglichkeit aufpumpen. Aber jeder wie
er´s braucht. Nachdem unser Lehrer alles auf
meinem Bauch erklärt hat, sagt er zu uns 7
Farangs:„So, now examination. We go to
another room.” Mit einem anderen Raum meint
er nicht ein anderes Klassenzimmer, sondern
ein anderes Gebäude. Wir gehen eine
Querstrasse weiter. In einer kleinen Passage,
in der gerade Fische entladen werden,
betreten wir einen weiteren Gebäudekomplex
der Wat Po Traditional Medical School. In
einem Raum im ersten Stock sind schon die
Matten für uns vorbereitet. Und in einer
Ecke, an einem Tisch, sitzt die
Prüfungskommission. Eine jüngere und eine
ältere Thai. Die Ältere sieht mit ihren
grauen Haaren, dem Dutt auf dem Kopf und der
großen Brille sehr streng aus und das ist sie
auch. Auf mein freundliches „Sawatdee Khrap“
folgt von ihr nur ein mürrisches „Ka“.
Außerdem bekomme ich den Platz direkt vor
ihrem Tisch. Toll!
Unsere Massagepartner sind diesmal Schüler
aus einer anderen Klasse. Ich habe wieder
einen männlichen Thai. Warum bekomme ich
keine weibliche Massagepartnerin? Haben wohl
Angst ich könnte was kaputt machen. Wie auch
immer, es geht los! Die Massage klappt super
und geht auch gut voran. Ich werde nur 2 mal
korrigiert. Ein Witz, bei 5 Blöcken mit
insgesamt über 80 Bewegungsabläufen. Nachdem
ich fertig bin, setzt sich die alte
Thailänderin zu mir und stellt mir Fragen,
die ich alle beantworten kann. Und das in
Englisch. Ich habe bestanden! Unsere ganze
Klasse hat bestanden! Jetzt sind wir
zertifizierte Massöre der Wat Po Traditional
Thaimassage School! Wir bekommen unsere
Zertifikate überreicht und sind alle ziemlich
happy.
Eine unserer Japanerin fängt vor
Erleichterung an zu weinen. Wir sitzen noch
eine Weile zusammen, machen Fotos und
tauschen E-Mail Adressen aus. Dann
verabschieden wir uns, drücken uns kräftig
und verabreden uns für nächsten September für
den „Advanced Therapeutic Massage Course“.
Vielleicht klappts ja. Evelyn lädt mich in
ihr Haus nach Palm Beach ein und Toshiko soll
ich in Tokio besuchen kommen. Mädels, soviel
Urlaub habe ich gar nicht. Katja und ich
umarmen uns eine Ewigkeit. Wir werden uns auf
jeden Fall wiedersehen. München-Frankfurt in
3,15 Stunden, mit einem schnellen 107er! Wir
haben uns in dieser kurzen Zeit so kennen und
schätzen gelernt, dass daraus eine tolle
Freundschaft entstanden ist. Und sie war die
beste Massage-Partnerin, die man sich
wünschen kann.
Zurück im Guesthouse, erst mal ein
„Examination-Chang“! Danach duschen und zur
Bushaltestelle. Mit dem 1er Bus (total
überfüllt und ich wieder einzigster Farang)
ab zum Bahnhof. Danach mit der U-Bahn zum
Lumpini-Stadion. Kaufe im Twins-Shop ein wie
ein Weltmeister und habe dabei überhaupt
keinen Platz mehr in der Tasche. Egal, es ist
sehr günstig. Danach esse ich auf dem
Night-Bazar ein leckeres Curry und bummle
noch ein bisschen über den Nachtmarkt. Nach
einer Stunde order ich mir ein Tuk-Tuk! Ich
habe die Prüfung geschafft, also schaffe ich
auch eine Tuk-Tuk Fahrt. Der Fahrer will
einen Schweine-Preis haben und groß handeln
ist kaum drin. Mein Guesthouse liegt zu weit
von den Touri-Gebieten weg. Ist mir jetzt
aber auch egal. Ich zahle die 150 Bath (ca. 3
Euro) und genieße dafür eine tolle Fahrt
durch das nächtliche Bangkok, mit all seinen
Lichtern, Farben und Gerüchen.
Im Guesthouse noch ein Chang und dann ab ins
Bett. Ich hab`s geschafft....!
Halt, dass mit dem „ab ins Bett“ verzögert
sich dann doch noch um ca. 2 Stunden. Als ich
gerade auf mein Zimmer will, kommt der
Junior-Chef des Guesthouse und setzt sich zu
mir. Er wartet auf seine Mutter, die gerade
auf dem Weg vom Flughafen ist. Sie war ja 2
Tage in Chiang Mai. Wir unterhalten uns, bis
Khun Mae dann nach ungefähr 1,5 Stunden im
Guesthouse eintrifft. Sie gibt mir noch eine
Leckerei aus Chiang Mai zum Probieren.
Roasted Pork mit Reis und das um 2.00 Uhr
Nachts! Es schmeckt klasse. Als ich
aufgegessen habe, gehe ich endlich auf mein
Zimmer. Ich bin noch viel zu aufgedreht von
dem ganzen Tag, also fange ich schon langsam
an zu packen und verzweifle fast. Meine
Reisetasche ist viel zu klein! Egal, ich gehe
jetzt erst mal schlafen.....
Tag 9
Ich wache erst um 9.00 Uhr auf. Habe
geschlafen wie ein Stein. Duschen und dann ab
zum Frühstück. Khun Mae hat mir wieder die
besten Spiegeleier der Welt gemacht. Danach
gehe ich noch mal zum Wat Po Office und hole
mir noch ein Massage T-Shirt und ein
Massagebuch auf Deutsch.
In der Strasse, in der sich auch die Wat Po
Ausbildungsstätten, Garküchen und
Kräuterläden befinden, treffe ich noch mal
Evelyn. Sie stöbert auch noch ein bisschen,
um sich eventuell noch paar Kräutermischungen
für die Massage zu Hause zu besorgen. Wir
freuen uns, dass wir uns so schnell
wiedersehen. Wir unterhalten uns `ne ganze
Weile und trinken eine Kokosnuss zusammen.
Ich bekomme wieder eine Einladung von ihr,
sie auf jeden Fall in Palm Beach besuchen zu
kommen. Sie meint es wohl ernst!? Wir umarmen
uns und verabschieden uns dann endgültig. Ich
will jetzt noch in die Shopping-Malls am Siam
Square. Gleich beim Wat Po fließt der Mae Nam
Chao Phraya, ein großer Fluss und die
Lebensader Bangkoks, vorbei. Und dort gibt es
auch einen „Wasserbus“. Diese Boote fahren
den ganzen Tag den Fluss rauf und runter und
halten an verschiedenen Stationen, so auch in
der nähe des Wat Po. Für umgerechnet ca. 20
Cent fahre ich die 5 Stationen bis zu Taksin
Bridge. Man genießt eine herrliche Fahrt an
wunderschönen Tempeln, wie dem Wat Arun
(Tempel der Morgenröte) und dem Oriental
(einem der besten Hotels) vorbei. An der
Haltestelle an der Taksin Bridge fährt dann
auch der Skytrain ab, bis direkt vor die
ganzen Shopping-Malls. Das Siam Paragon will
ich mir heute doch mal genauer anschauen. Das
Paragon ist ein absoluter
Luxus-Shopping-Tempel. Ein total krasser
Gegensatz zu dem Viertel, in dem mein
Guesthouse liegt. In der Mall sind nur Shops
wie Prada, Gucci, Chanel, Rolex und wie sie
sonst noch alle heißen. Auch Ferrari,
Maserati, Hummer und BMW sind mit ihrem
Sortiment vertreten. Ich sehe mich in einem
CD/DVD Shop um und werde gleich von einem
Verkäufer angesprungen. Er wirkt sehr
weiblich und ich habe das Gefühl, er will ein
Date mit mir. Er weicht mir, wie ein
Schatten, nicht von der Seite und drückt mir
andauernd irgendwelche Filme in die Hand. Als
es mir dann doch etwas zuviel wird,
verabschiede ich mich und verlasse den Laden
mit einem süßen Lächeln. Er schaut mir
schwermütig hinterher.... Danach suche ich
mir in der Food-Corner, besser gesagt in dem
Stockwerk, in dem es nur Restaurants gibt,
ein nettes Thai-Restaurant aus. Sieht toll
aus. Man kann draußen auf einem riesigen Sofa
chillen und loungige Musik hören. Direkt vor
einem fließt ein künstlich angelegter Bach
mit kleinem Wasserfall vorbei und die
Bedienung reißt sich für einen fast den
Bobbes auf. Der Luxus hat aber auch seinen
Preis. 350 Bath (ca. 7 Euro) für eine Pad
Thai und ein kleines Singha. In China-Town
könnte ich eine Woche davon leben. Aber egal,
ich habe gestern meine Prüfung bestanden und
habe mir diesen Luxus verdient. Außerdem
sieht der Laden echt nett aus und die
Bedienung ist auch ganz süß.
Nach dem Essen klappere ich das Siam Center,
in dem gerade eine Mega Modenschau
stattfindet und das thailändische Fernsehen
mit von der Partie ist, ab. Dann ist das Siam
Discovery Center dran. Diese 3 Malls sind
direkt nebeneinander und man kann in einen
wahren Kaufrausch verfallen. Im Discovery
erstehe ich dann noch eine CD und eine DVD
und hebe mir das große Shoppen für meinen
Weihnachtbesuch vom 20. bis 24.12. auf.
Danach wieder mit dem Skytrain zur Taksin
Bridge und dem Boot zum Wat Po. Ich gehe noch
mal in den Tempel und genieße die Ruhe. Da
schon später Nachmittag ist, sind die meisten
Touris schon weg. Ich schaue mir den
liegenden Buddha, dem Wahrzeichen des Wat
Pos, an. Ich habe ihn bei meinen Bangkok
Aufenthalten schon so oft gesehen, aber er
ist immer noch sehr beeindruckend. 15 Meter
hoch und 46 Meter lang!
Danach gehe ich zur einer Statue, die Dr.
Jivaka, dem Vater der Thaimassage geweiht ist
und bedanke mich, dass er mich so gut durch
die Ausbildung geführt hat. In einem
Tempelgebäude mit einem sehr schönen
Buddha-Altar „chanten“ gerade die Mönche. Man
sagt mir, dass es kein Problem ist mit
hineinzukommen. Ich soll mich einfach hinten
in die Ecke setzen. Ich lausch den sonoren
„Gesängen“ der Mönche und fühl mich einfach
nur wohl. Es war die beste Entscheidung nach
Bangkok zu gehen und hier meine Ausbildung zu
machen. Nach dem „Chanten“ verlasse ich den
Tempel. Kurz darauf werde ich mal wieder von
einem Tuk-Tuk Fahrer angesprochen: „Where do
you go? Where do you come from? Do you want
Thaimassage? I know good Lady for Bum-Bum!”.
Schade, so was bringt die traditionelle
Thaimassage in Verruf! Zurück im Guesthouse,
erst mal entspannen und ein Chang. Nach
meinem Dinner an der Strasse, geht es auf´s
Zimmer zum Packen. Habe vor, mit dem Taxi
morgen Früh, um 8.00 Uhr zum Airport zu
fahren....
Tag 10
Heute geht’s zurück! Freu´ mich auch schon
auf zu Hause. Obwohl Bangkok großartig war.
Sich mal nicht wie ein normaler Touri in
Bangkok zu bewegen, sondern sich abseits der
ausgetretenen Pfade aufzuhalten, hat diese
Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht. Die
Massage-Schule, die Leute die ich kennen
gelernt habe, die Garküchen und sogar die
Tuk-Tuks waren fantastisch. Bangkok liebt man
oder man hasst es. Jedenfalls erdrückt die
Stadt einen, wenn man das Erstemal da ist.
Aber lässt man sich auf sie und seine
Menschen ein, kann man gar nicht anders als
sie zu lieben. Ich tu´ es!
Bin schon gegen 6.00 Uhr wach und vollbringe
eine wahre packtechnische Meisterleistung.
Ich hätte nie gedacht, dass ich alles in die
Tasche bekomme. Sie platzt zwar fast aus
allen Nähten, aber egal. Meine kompletten
Bücher und Massageunterlagen nehme ich mit
ins Handgepäck. Die sind einfach zu schwer.
Hab´ sowieso schon Übergewicht. Gegen 7.00
macht mir Khun Mae ein letztes mal Frühstück.
Ich werde ihre Spiegeleier vermissen und
irgendwie auch ihre Spuckerei. Ich hatt mich
schon so an dieses Hhhhrrrrzzzzz.... gewöhnt.
Um kurz nach 8.00 Uhr ordert sie mir auf der
Strasse ein Taxi und checkt den Fahrer ab.
Sie sagt ihm, er soll das Taximeter
einschalten. Sie ist eine sehr energische
Frau und der Fahrer zuckt zusammen. Ich
drücke Khun Mae noch mal und verspreche ihr,
nicht das letzte Mal da gewesen zu sein.
Da heute Sonntag ist, ist der Verkehr nicht
ganz so schlimm. Was den Fahrer dazu
veranlasst mit 100 Km/h durch die Stadt zu
fahren, um dann auf 20 Km/h abzubremsen, um
sich zwischen ein Tuk-Tuk und einen Bus zu
quetschen. Und alles ohne ein Zucken im
Gesicht. Ich habe noch nie ein Volk wie die
Thais erlebt, dass so ruhig und gelassen ist.
Und das bei Millionen von Fahrzeugen in nur
einer Stadt. Bei uns treffen sich nur 3 Autos
an einer Kreuzung, einer davon hupt, der
andere schimpft und der dritte zeigt den
Stinkefinger. Als wir in die Außenbezirke
kommen, drehe ich mich noch mal um. Bangkok
liegt unter einer wahnsinnigen Smog-Glocke.
Sieht schon heftig aus. Wenn man drin ist,
merkt man das gar nicht so. An den
Skytrain-Stationen habe ich ein Plakat
gesehen, dass es demnächst in Bangkok einen
autofreien Tag geben soll. Da habe ich aber
gelacht. Wie willst du paar Millionen
Menschen das Autofahren verbieten, wo es doch
für die meisten die Lebensgrundlage
darstellt. Aber passieren muss was. Wobei es
noch Leute gibt, die in Bangkok joggen gehen.
Demnächst findet sogar ein Marathon statt.
Das ist dann so, als würde man 2 Päckchen
Gauloises ohne Filter auf einmal rauchen.
Am Airport angekommen, gebe ich dem Fahrer
einen ordentlichen Tip. Er war wirklich
schnell und ich musste ihm nicht den Weg
erklären. So, nun auf zu den Check-In
Schaltern. Ich bin ein bisschen nervös, weil
ich garantiert mehr als die erlaubten 20 Kg
habe und das kann bei Übergepäck richtig
teuer werden. Dann hätte sich das günstige
Einkaufen nicht gelohnt. Ich hebe meine
Tasche auf das Band mit der Waage und......
26 Kg! Scheint den Mitarbeiter von der Thai
aber nicht zu interessieren. Er gibt mir
meine Boardkarte und wünscht mir eine guten
Flug. Gut, dass ich die Bücher im Handgepäck
habe. Ich wäre sonst garantiert weit über 30
Kg gekommen und dann hätte es vielleicht
anders ausgesehen. Nach der Passkontrolle und
der Immigration begebe ich mich in den
Duty-Free Bereich. Hammerhart, was die Thais
da hingestellt haben. Erinnert mich an das
Siam Paragon. Sehr luxuriös und sehr schön
angelegt. Ich erstehe noch ein Duftwasser,
Gesichtscreme und 3 Lippenstifte und begebe
mich zum boarden. Im Flugzeug dann essen,
schlafen, Filme gucken... Die Thai hat schon
einen tollen Service. Das Essen ist super und
der Sitzabstand ist einer der größten im
gesamten Linienverkehr. Und außerdem haben
sie mit die hübschesten Flugbegleiterinnen.
Heute Abend schlafe ich wieder in meinem
Bett, wobei das Bett im Guesthouse auch nicht
schlecht war. Aber jetzt erst mal nach
Hause....... und sich auf den Thailand-Trip
im Dezember freuen!
Vielen Dank an Thomas für diesen Bericht.
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